
Bis vor kurzem wurden das wirtschaftliche sowie das Beschäftigungspotenzial des Kultursektors in Diskussionen über die europäische Kulturpolitik schwer unterschätzt oder überhaupt ignoriert. Dies hat sich im letzten Jahrzehnt erheblich geändert, seit dem Begriff „Kulturindustrien“ (unter der Neubezeichnung „Kreativindustrien“) mehr Bedeutung zukommt. Diese Begriffe wurden zu den neuen politischen Schlagwörtern. Einige Regierungen und EU-Beamte betrachten die Kulturindustrien mittlerweile als Modell für Strategien in Verbindung mit Wirtschaftswachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplatzschaffung.
Andy C. Pratt von der London School of Economics erinnert uns jedoch daran, dass die Kulturindustrien immer noch „unbehaglich in das Rahmenwerk der öffentlichen Politik eingebettet sind“ (Pratt, 2005). Das ist auf die offensichtlich wirtschaftliche Ausrichtung dieser Industrien zurückzuführen, was der Strategie des „Marktversagens“ bei der Beschaffung öffentlicher Geldmittel durch herkömmliche Kunstinstitutionen, wie etwa Museen, öffentlichen Theatern und Non-Profit-Akteuren, entgegenzustehen scheint.
Einige Studien erinnern uns daran, dass viele künstlerische und literarische Genres (z.B. Film, zeitgenössische Kunst und Literatur) Jahrzehnte, wenn nicht sogar Jahrhunderte lang hauptsächlich von privaten Marktstrukturen abhängig waren. Selbstständige Künstler und andere unabhängige Fachleute im Bereich der Kunst und Medien sind ebenso Teil der Kultur- und Medienindustrien wie kleine, mittlere und große Unternehmen oder multinationale Konzerne. Manche Teile dieses Sektors sind gekennzeichnet durch die ergiebige Zusammenarbeit oder ergänzende Beziehungen zwischen öffentlichen und privaten Akteuren. Andere erleben einen starken Wettbewerb und ein Monopol einiger Unternehmen, was die Entwicklung eines vielseitigen Ideenmarktes verhindern kann.
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