
Vorgelegt vom ERICarts Institut
Kurzfassung
Zwischen 2005 und 2006 hat das ERICarts Institut eine Pilotstudie über grenzüberschreitende Mobilität in der europäischen Kunst und Kultur (MEAC)[1] durchgeführt. Das Projekt wurde vom LabforCulture finanziert und hatte zur Aufgabe, die derzeitigen zentralen Probleme der europäischen Kulturpolitik zu erfassen und einen Forschungsplan für eine umfangreichere europäische Vergleichsstudie zu entwickeln.
Das MEAC Pilotprojekt wurde von einem wissenschaftlichen Gremium gesteuert und seine Ergebnisse wurden von Ilkka Heikanen, Andreas Wiesand und Danielle Cliche in einem Bericht zusammengefasst; sie bildeten das verantwortliche Kernteam innerhalb des ERICarts Instituts. Das Kernteam koordinierte auch die Untersuchung, sammelte Basisinformationen und Statistiken über Künstlermobilität, beauftragte acht Fallstudien und organisierte einen runden Tisch und drei Brainstorming-Meetings mit dem MEAC Wissenschaftsgremium, das aus Lluis Bonet, Ritva Mitchell, Luca dal Pozzolo und Veronika Ratzenböck bestand.
In diesem Pilotprojekt wurden komparative Statistik und Fallstudien genutzt, um die derzeitigen Probleme der europäischen Politik zu erfassen. Die empirische Forschung konzentrierte sich hauptsächlich auf krisenbedingte Zuströme von Künstlern aus ehemaligen sozialistischen Ländern und südosteuropäischen Ländern in den „Westen” und auf die Zuzugsbeschränkungen und Karrierehemmnisse, denen sie in den Zielländern begegneten. Zusätzlich zu Immigrationsbürokratien wurde die Mobilität von Künstlern auf dem Arbeitsmarkt und in der Kunstverwaltung durch Idiosynkrasien wie Regelungen zur Anerkennung von formalen Qualifikationen, Arbeitsgenehmigungen und dem Ausschluss von eingewanderten Künstlern aus den nationalen sozialen Sicherungssystemen erschwert. Andere aufgezeigte Probleme umfassten Arbeitsverträge, Besteuerung und grenzüberschreitende Zahlungen für Rechte und andere Copyright-Vergütungen.
Diverse nationale Fallstudien haben uns mit Vergleichsdaten zu Studentenaustäuschen und zur Anzahl ausländischer Studenten an Kunstuniversitäten versorgt. In der letzten Hälfte der 1990er schien eine klare Veränderung stattgefunden zu haben. Der Zuzug von Studierenden von außerhalb der EU, besonders aus der Volksrepublik China und den Ländern Südostasiens hat exponentiell zugenommen und ausländische Kandidaten scheinen erfolgreicher in den Eingangsexamen der europäischen Top-Kunstschulen und -Universitäten zu sein als einheimische, besonders im Bereich Musik.
Die Ergebnisse der Fallstudien wurden genutzt, um Typologien der Motive, Strategien und Konsequenzen der Beschränkungen der Künstlermobilität und der Zuzugsbeschränkungen sowie der Karrierehemmnisse in den Zielländern zu entwickeln. Eine italienische Fallstudie hat ein weiteres wichtiges Thema aufgeworfen: den Beitrag von Immigranten-Communities zur Vielfalt europäischer Kunst und Kultur. Das Ergebnis der Studie unterstrich die Bedeutung der intellektuellen Führung in diesen Communities darin, ihre einzigartige Identität beizubehalten und ihr Vermögen, zur Vitalität der Mainstream-Kultur ihres neuen Heimatlandes beizutragen.
Die konzeptionelle Analyse der Pilotphase konzentrierte sich hauptsächlich auf die Klärung der Phänomene brain drain (das Abwandern hochqualifizierter Arbeitskräfte ins Ausland) , brain gain (die Zuwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte)
und brain circulation (die Mobilität hochqualifizierter Arbeitskräfte) und der Einordnung ihrer möglichen Ursachen. Die Ergebnisse deuteten an, dass es notwendig ist, diese Abwanderung, Zuwanderung und Zirkulation nicht nur in ökonomischen Begriffen (wie Gewinne und Verluste im Rahmen der Bildungskosten) einzuschätzen, sondern auch in zwei weiteren Aspekten: Erstens, in Bezug auf ihre Auswirkungen auf Kreativität und die Ansammlung von nicht greifbaren Posten und zweitens, in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Kulturindustrien, speziell vis-á-vis der weltweiten amerikanischen Dominanz im audiovisuellen Sektor. Hier waren Informationen, die durch kürzlich durchgeführte Untersuchungen und andere Studien wie die UNESCO Studie zum Fluss von kulturellen Kerngütern und -services[2] und die Studie zu europäischen Mobilitätsinitiativen[3] von großem Nutzen.
Die Pilotstudie schließt mit Vorschlägen für zukünftige Handlungsweisen, nämlich:
[1]Dieser Bericht wurde erstellt von Ilkka Heiskanen, ERICarts Institut, in Zusammenarbeit mit Ritva Mitchell, Andreas Wiesand und Danielle Cliche. Das Projekt wurde „MEAC" genannt, ein Akronym, das für "Dynamics, Causes and Consequences of the Transborder Mobility in the European Arts and Culture" (Dynamik, Ursachen und Konsequenzen von grenzüberschreitender Mobilität in der europäischen Kunst und Kultur) steht.
[2]UNESCO Institut für Statistik: International Flow of Selected Cultural Goods and Services, 1994-2003. UNESCO, Kultursektor, 2005.
[3]z.B. das Mobilitätsprogramm der Europäischen Kulturstiftung, Amsterdam, oder „On the Move" von IETM, Brüssel.
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