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Regulierung: Gesetzgebung

Online-Diskussion: 13. Juli 2009, 11.00 CET


Digitale Technologien entwickeln sich schnell und, wie immer, kann der rechtliche Rahmen mit dem Tempo nicht mithalten. Aber wenn die digitale Revolution nicht nur eine Frage der Geschwindigkeit ist, sondern vielmehr eine ganz neue Art zu denken, müssen wir vermutlich unseren ordnungspolitischen Ansatz überdenken.

Wenn wir uns an ein anderes Verhältnis zu Informationen und zu Urheberschaft gewöhnen müssen, wie strukturieren wir dann unsere (digitale) Welt am besten? Derzeit meinen viele, dass die digitale Welt Freiheit maximieren solle. Da die digitalen Möglichkeiten mehr und mehr zur Verfügung stehen und immer enger mit unserem analogen Leben verwoben sind, ist eine idealistische Herangehensweise an die digitale Welt nicht mehr ausreichend: Eine bessere Regulierungsform ist nötig. Die illegalen Downloads sind dabei wahrscheinlich das dringendste Thema.

Diese Diskussion bewegt sich von den Gräben zwischen Medienkorporationen und „Copyleft"-Hardlinern weg und konzentriert sich auf neue Formen der Selbstorganisation und den Wissens- und Informationsfluss im digitalen Zeitalter.

Zusammenfassung der Diskussion

Die letzte Diskussion beschäftigte sich mit der Regulierung und Organisation von Wissensaustausch. Die Diskussion war stark in aktuellen Fragen verwurzelt – zum Beispiel der Verabschiedung und anschließenden Ablehnung des französischen HADOPI-Gesetzes. Dieses schlug eine „stufenweise Reaktion" vor, die ihren Höhepunkt darin finden sollte, dass Internetnutzern, die im Verdacht stehen, illegal Material herunterzuladen, der Internetanschluss gekappt würde.

Einen Gutteil der Diskussion kreiste um die Creative Commons-Lizenz, bei der beide Gäste übereinstimmten, dass sie ein guter Anfang ist – auch wenn sie nicht die einzige Lösung für die Neuorganisation der Rechte an Wissen sein kann. Heiner Holtappels (Niederländisches Institut für Medienkunst) ist der Auffassung, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen durch die Akteure in diesem Sektor (Autoren, Produzenten, Nutzer) selbst reguliert werden sollten. Demgegenüber ist Harry Verwayen (Knowledgeland) der Auffassung, dass alles Material früher oder später frei zugänglich sein wird. Entsprechend ist es wichtig, dass Produzenten und Distributoren in Einklang mit der Realität arbeiten, statt sie zu bekämpfen. Die Frage der verwaisten Werke (Arbeiten, deren Rechteinhaber schwierig oder unmöglich zu kontaktieren sind) kam ebenfalls auf – und war einer der Bereiche, in denen Regulierung durch die Regierung begrüßt wurde.

Verwayen ist davon überzeugt, dass besserer und leichterer Zugang zu Informationen und Inhalten Nutzer automatisch weg von „illegalen“ Methoden wie BitTorrent leiten wird. Der Erfolg des iTunes Store, der mit urheberrechtlich geschützter Musik begann, bevor er das Digital-Rights-Management-System auf seinen Dateien aufgab, ist ein guter Beweis für dieses Phänomen.

Kulturproduzenten sollten das Internet als Vertriebskanal begrüßen und es zu ihrem Vorteil nutzen. Es gibt keine ideale Rundum-Lösung zur Regulierung: Einige Künstler sind damit einverstanden, dass ihre Arbeiten frei über das Internet vertrieben werden, aber andere wollen ein strikteres Regulierungssystem auf der Regierungsebene... Damit wird Holtappels Plädoyer für die Selbstregulierung noch schwieriger.

Die Diskussion im Überblick

Auf dem Weg zu einer „neuen Wissensregulierung“?

  • Geistiges Eigentum: Kann man Ideen wirklich besitzen?
  • Was wären „faire Modelle“, über die man nachdenken sollte, um sowohl breiten Zugang zum Inhalt sicherzustellen als auch eine finanzielle Kompensation für den Autoren?
  • Worin besteht die Verantwortung der Behörden bei der Regulierung von Wissen?

Das Internet als „Kopiermaschine"

  • Was bedeutet das für kulturelle Inhalte? Sollten sie frei verfügbar sein?
  • Wie können nationale Urheberrechtgesetze in einem internationalen Medium wie dem Internet angewendet werden?

Geladene Referenten

Harry Verwayen
Seniorberater „Informationsgesellschaft“ bei Knowledgeland und Seniorberator „Inhalte & Dienstleistungen“ bei Images for the Future.

Verwayens Arbeit konzentriert sich auf die optimale Weitergabe von digitalem Kulturerbe. Er ist ein leidenschaftlicher Verfechter alternativer Geschäftsmodelle, die Inhalte breit verfügbar machen, während sie gleichzeitig Einnahmen sichern. Eine wichtige Inspiration für seine Arbeit ist Kevin Kelleys „Better than Free“ (dt. Besser als Umsonst)-Ansatz zu digitalen Informationen.


Heiner Holtappels
Direktor des NIMK, NIMK, des Niederländischen Instituts für Medienkunst

Das NIMK hat mehr als 1400 Video- und Medienkunstwerke in seiner umfangreichen Sammlung. Um ein breites Publikum mit Medienkunst vertraut zu machen, verfolgt das NIMK eine aktive Politik für die Präsentation dieser Video- und Medieninstallationen auf nationalen und internationalen Festivals und Ausstellungen.

Transkript der Diskussion (zum Lesen anklicken)

Das Protokoll ist nur auf Englisch verfügbar.

Background information

Costs and Benefits of Research Communication: The Dutch Situation is a study commandited by SURFfoundation. The report shows that the Dutch society could save 37 to 133 million euro each year if all scientific publications were made publicly available.

UbuWeb is a free online platform based on a gift economy. It offers sound files, books, essays and many more digitalised content. The website states: "UbuWeb posts much of its content without permission; we rip out-of-print LPs into sound files; we scan as many old books as we can get our hands on; we post essays as fast as we can OCR them."

Free - Why $0.00 is the future of business is an article written by Chris Anderson, editor-in-chief of Wired magazine. It explores the possibilities of a future 'free' economy, and give 6 alternative models to the current system. Anderson is known for identifying and documenting the phenomenom of the long tail in digital economy. Malcolm Gladwell wrote an extensive review of this publication.

Better than Free is an essay published in 2008 by Kevin Kelly, founding executive editor of Wired magazine. Kelly theorizes that as soon as there are infinite or many copies of an object, it will become almost impossible to charge for one copy. He writes: "To put it simply, how does one make money selling free copies?"

Recent activity

  • In 2007, Radiohead released their last record In Rainbows only via the band's website. Fans can download the album and are asked to enter the price they want - and they may not pay at all. For more information, see this article.
  • In 2008, The French Assembly passed the HADOPI law, allowing media companies to force ISPs to disconnect users suspected of copyright infringement - without having to produce a proof. However the Constitutional Council decided that the presumption of innocence was not respected and therefore decided to reject the bill. More information can be found here.
  • In 2009, the swedish Pirate Party won a seat at the European Parliament. The party claims only three issues on its agenda: "to fundamentally reform copyright law, get rid of the patent system, and ensure that citizens' rights to privacy are respected."
  • In June 2009, Dutch actors and musicians offered a petition to Dutch officials, asking for a special task on MP3 players and hard disc recorders, so that creators receive money to compensate home copying. See this article (in Dutch). Of course an Internet petition against this idea shortly followed, humourously illustrated in this blog post.
  • In late June 2009, the largest BitTorrent tracker ThePirateBay (TPB) was bought by a worldwide gaming company. The tracker, known for indexing lots of illegal material, was famous for its team's response to legal threats. However, after being bought out they issued a press release stating that they "would introduce models which entail that content providers and copyright owners get paid for content that is downloaded via the site".

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