Januar 2009
Helmut Anheier
Bild: Credit cruncher von earnest70six
Durch die Wirtschaftskrise kommt noch eine machtvollere Kombination neuer Herausforderungen zu den bereits bestehenden komplexen Problemfeldern hinzu:
- Auf gesellschaftlicher Ebene hat ein Vertrauensverlust in das ‚System’ stattgefunden, in der Öffentlichkeit gibt es ein allgemeines Gefühl der Unsicherheit, weswegen sich einige linke und rechte politische Akteure opportunistisch verhalten.
- Europäischen Regierungen, viele davon in einer steuerlich besseren Position als die Vereinigten Staaten und mit mehr Spielraum, entdecken für sich den Keynesianismus wieder. Sie interpretieren ihn zu ihrem eigenen politischen Vorteil, was in der Regel zu massiven öffentlichen Ausgabeprogrammen führt (von denen nur ein eher kleiner Teil Kunst und Kultur erreichen werden). Die Erhöhung der öffentlichen Investitionen werden mit Kürzungen aktueller Budgets verbunden, und verursachen Lücken, von denen einige, oft indirekt, an gemeinnützige Organisationen durchgereicht werden.
- Wirtschaftsunternehmen üben sich in Aktionismus in dem Versuch die Aktionäre zu beruhigen. Sie schaffen Programme wieder ab, die die soziale Verantwortung und die Spendenbereitschaft des Unternehmens fördern sollten, darunter auch die Finanzierung von Kunst und Kultur. Gleichzeitig schielen sie auf Regierungszuschüsse und –beihilfen als Gegenleistung für Garantien, die normalerweise im Zusammenhang mit der Arbeitsplätzen und Gewinnaussichten stehen.
- Wohltätige Stiftungen beobachten einen kontinuierlichen Rückgang der Vermögenswerte in einem seit Jahrzehnten nicht gesehenem Ausmaß, verbunden mit einer prognostizierten Verringerung der Ausschüttung. Auch bestehen Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit der laufenden Programme und Zusagen, während der Schutz der Vermögenswerte weiter an Bedeutung gewinnt.
- Viele Haushalte sind mit größerer finanzieller Unsicherheit und einem Rückgang ihres Netto-Vermögens konfrontiert, was zu einem Einbruch an Spendengeldern und einem Rückgang ehrenamtlicher Arbeit führen könnte.
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Für gemeinnützige Organisationen aus Kunst und Kultur bedeutet die aktuelle Krise zweifelsohne weniger Mittel für laufende Ausgaben; jedoch je nach Prioritätensetzung bei öffentlichen Ausgaben könnte sie auch in zusätzlichen Finanzmitteln für Investitionsprogramme resultieren. In erster Linie sorgt sie für größere finanzielle Instabilität, mehr Unsicherheit für das Management und das Personal, möglicherweise nicht eingehaltene Verträge und Verpflichtungen und unbefriedigte Nachfrage.
Die Reaktionen von Vorständen und Management könnten leicht das übliche Extremverhalten zur Folge haben: auf der einen Seite ‚Nichts Tun’, aus Verweigerung oder Fatalismus, und auf der anderen Seite verschiedene Formen von Überreaktionen und blindem Aktionismus. Es gibt auch andere Möglichkeiten, die sich aber nur dann offenbaren, wenn man würdigt, was gemeinnützige Organisationen von anderen Organisationen unterscheidet.
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Drei zentrale Besonderheiten sind:
Für gemeinnützige Organisationen aus Kunst und Kultur bedeutet die aktuelle Krise zweifelsohne weniger Mittel für laufende Ausgaben; jedoch je nach Prioritätensetzung bei öffentlichen Ausgaben könnte sie auch in zusätzlichen Finanzmitteln für Investitionsprogramme resultieren. In erster Linie sorgt sie für größere finanzielle Instabilität, mehr Unsicherheit für das Management und das Personal, möglicherweise nicht eingehaltene Verträge und Verpflichtungen und unbefriedigte Nachfrage.
Die Reaktionen von Vorständen und Management könnten leicht das übliche Extremverhalten zur Folge haben: auf der einen Seite ‚Nichts Tun’, aus Verweigerung oder Fatalismus, und auf der anderen Seite verschiedene Formen von Überreaktionen und blindem Aktionismus. Es gibt auch andere Möglichkeiten, die sich aber nur dann offenbaren, wenn man würdigt, was gemeinnützige Organisationen von anderen Organisationen unterscheidet. Drei zentrale Besonderheiten sind:
- Das Vorhandensein tief verwurzelter Werte (religiöser, politischer, humanitärer, moralischer, künstlerischer) ist ein eigenständiges Charakteristikum vieler gemeinnütziger Organisationen. Inwieweit diese Werte das Verhalten der Organisation beeinflussen variiert, aber das zentrale Vorhandensein von Werten impliziert zumindest ein komplexeres Kosten-Nutzen-Verhältnis zwischen operativen und endgültigen Zielen. Diese Werte können befördernd oder einschränkend wirken; schützend oder unterdrückend; zu etwas führen oder irreführend sein; beleben oder ablenken.
- Das Vorhandensein einer Vielzahl von Stakeholdern (Treuhändern, Angestellten, ehrenamtlichen Mitarbeitern, Nutzern / Kunden, staatlichen Stellen usw.) verwandelt gemeinnützige Organisationen inhärent in politische Organisationen und macht ihr Management zu einer komplexen Aufgabe, da Koalitionen gebildet und auf ein gemeinsames Ziel hin ausgerichtet werden müssen.
- Das Vorhandensein einer Vielzahl von Einnahmequellen (Märkte, Quasi-Märkte, Mitgliedschaften, verschiedene Formen von Zahlungen seitens der Regierung, verschiedene Formen von Spenden und Sponsoring, Verträge, usw.); gleichzeitig fehlen oft Preis-Mechanismen (die besten Leistungsindikatoren). Das bedeutet, dass Geschäftsführer gemeinnütziger Organisationen mehrere Einnahmequellen managen, während die Leistung ungewiss ist.
Inhaltsverzeichnis
- Wie kann der Kultursektor die Finanzkrise überleben?
- Wie reagiert der Kunst- und Kultursektor auf die Krise?
- Wie sollen sich gemeinnützige Organisationen den neuen Herausforderungen stellen?
- Sechs Tipps, dem Sturm die Stirn zu bieten
- Vorbereitung auf die Zukunft
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