
| Three-Legged Trouser Work (for Keith) - Part 1, Mark Roberts |
Mark Roberts, Künstler und Kunstvermittler aus England, der in Lappland (Finnland) lebt, spricht in einem Interview mit Hilde Methi über seine Beziehung zum Norden. Mark arbeitet mit den Medien Video und Fotografie. Er beschäftigt sich mit sozialen und politischen Themen, die von der Weltbevölkerung erlebt und verstanden werden können, mit der conditio humana und den Effekten von Macht auf das Individuum.
HM: Identifizieren Sie sich mit dem Nordischen/ der Barentsregion/ der Aktis/ Lappland? Womit identifizieren Sie sich am meisten?
MR: Die Künstler hier (im nördlichen Finnland) haben eine Tendenz dazu, sich mit der Region zu identifizieren. Das ist etwas, womit ich besonders schwer umgehen oder woran ich nur schwer teilhaben kann. Ich ärgere mich oft darüber, dass der Fokus der Kunst hier auf der Natur liegt; besonders auf Rentieren. Es ist sehr schwer einen Fuß in die Tür zu bekommen. Nahezu unsere gesamte Förderung zum Beispiel kam aus dem Süden oder von nationalen Institutionen.
Ich identifiziere mich eigentlich nicht mit einem bestimmten Ort oder einer Region. In einer meiner letzten Arbeiten machte ich drei Fotos von mir, auf denen ich drei Plakate hielt, auf denen stand: „Ich bin ein echter lappischer Künstler“, „Ich bin ein echter finnischer Künstler“ und „Ich bin ein echter britischer Künstler“. Ich hätte auch eines hochhalten können, auf dem stand „Ich bin ein echter nordischer Künstler“. Ich empfinde kein Bedürfnis danach, mich mit einem Ort zu identifizieren. Ich hätte das Gefühl, es würde mich einschränken. Im tiefsten Inneren identifiziere ich mich nicht mit der Idee von einem „lappischen Künstler“, weil sie aus meiner Sicht geografisch und inspirativ begrenzend ist. Ich bin Mitglied der Lapland Artist's Association, aber ich nehme eigentlich nicht an dem teil, was sie tun, weil sie sich (aus meiner Sicht) zu stark auf Lappland konzentrieren. Es gibt wenig Offenheit und kaum Diskussionen. Die Menschen klammern sich an ihre Positionen und fühlen sich leicht bedroht. Sie mögen denken, dass ich dramatisiere, aber das habe ich erlebt. Ich finde das sehr frustrierend und schwierig. Natürlich ist nicht jeder so, und ich denke Pikene på Broen arbeitet schon mit Menschen zusammen, die offener sind.
HM: Wäre es nicht auf der Hand liegend, sich mit Lappland zu identifizieren, da sie hier leben und arbeiten? Um sich damit zu identifizieren, sollten Sie sich mehr in der Kunst und im intellektuellen Leben Lapplands engagieren und daran teilnehmen.
MR: Ich denke, dass ich mich sehr wohl im künstlerischen und intellektuellen Leben der Ravaniemi engagiere, aber Sie haben Recht, dass meine Teilnahme eingeschränkt ist, denn die Möglichkeiten und Angebote sind sehr begrenzt. Wie ich schon gesagt habe, es ist sehr schwer hier einen Fuß in die Tür zu bekommen. Es bessert sich, aber ich wäre lieber noch stärker involviert. Allerdings finde ich die Einstellungen hier einer Zusammenarbeit oft nicht zuträglich.
HM: Was ist mit den Vorteilen. Was empfinden Sie als die Vorteile davon, dass Sie in Lappland sind?
MR: Als Vorteile sehe ich die anderen Länder, die um Finnland herum liegen. Es gibt mehr Möglichkeiten in Norwegen zu arbeiten und in geringerem Maß (für mich zumindest) Russland und Schweden. Ich empfinde das künstlerische Klima in Norwegen als aktiver und, wiederum aus meiner Perspektive, interessierter an meiner Arbeit als das nördliche Finnland. Ich bin immer daran interessiert an Projekten in Norwegen, Schweden und Russland teilzunehmen. Vielleicht liegt das daran, dass ich dort das System nicht kennen muss oder nicht mit Erschwernissen, die es zweifellos auch dort gibt, auf einer alltäglichen Ebene umgehen muss.
Ein weiterer Vorteil, den ich in Kaiku sehe ist, dass die Menschen/Künstler sehr daran interessiert sind in diese Region zu kommen, ihrer exotischen Lage wegen. Auf dem Polarkreis zu performen (oder darüber), das ist etwas Besonderes.
Meine Rolle als „Kulturvermittler“ bringt einen anderen Aspekt meiner Herangehensweise hervor. In Kaiku und Magneetti, konzentriere ich mich auf die Kunst aus dem Norden. Für mich ist es wichtig, die Aktivitäten der Menschen dieser Region bekannt zu machen und ein Bewusstsein für sie zu schaffen (und ich spreche nun über die gesamte nördliche Region der Nordischen Länder). Ich glaube, dass hier eine Menge begabter Menschen arbeiten – Künstler, Musiker, Schriftsteller etc. – und, dass es wichtig ist, dass sie die Möglichkeit haben, ein größeres Publikum zu erreichen. Der Teil von mir jedoch, der in Rentierkunst ein Problem sieht, hat derzeit noch die Oberhand. Ich bin nicht daran interessiert, Kunst über Bären oder Rentiere zu unterstützen. Kaiku fördert ein breites Spektrum an Musik, welche die Grenzen der klischeebeladenen Erwartungen verschiebt, die viele Menschen (zumindest hier) von der Region haben. Wiederum will Magneetti herausfordernde zeitgenössische Kunst, die für eine größere Region und ein größeres Publikum Relevanz hat, fördern und bestärken. Auch wenn wir in einem geografischen Randgebiet wohnen, sind wir immer noch mit dem Rest der Welt verbunden und der Rest der Welt ist mit uns verbunden. Das Internet ist ein frappierender Vermittler unserer Präsenz hier, die es anderswo bekannt macht.
Manchmal bleibt ein russischer Fischdampfer jahrelang im Hafen von Kírkenes. Morten Torgersrud, einer der zwei Künstler in Kirkenes, ist ein Experte für einen dieser beiden Fischdampfer – „Obolon“. Er machte dieses Bild von „Obolon“ auf dessen letzter Reise nach Indien, wo es von kleinen Händen zertrümmert wurde, bevor es als Nägel endete. Sein Freund benutzte einige davon, um damit Musik zu machen.
Als Kunstvermittlerin bei Pikene på Broen bekomme ich manchmal die Frage gestellt, ob es leichter ist, hier mit Kunst zu arbeiten oder Künstler hierher zu bekommen oder Aufmerksamkeit zu erzeugen wegen der Grenzeregion zu Russland, des Multikulturalismus, den Gegensätzen, der Vielfalt, der wirtschaftlichen Potentiale, der politischen Situation, der Mitternachtssonne und so weiter. Der Ort und die Situation an sich sind attraktiv für einige Künstler, Journalisten und Wissenschaftler. Einige Künstler, die anderswo leben, kommen immer wieder, schicken Anregungen von Künstlern oder schlagen Themen vor, die hier relevant und interessant zu diskutieren wären. Einige erklären, dass sie hier auf eine andere Weise arbeiten können, als da, wo sie leben. Ich glaube, das hat etwas mit einer neuen Offenheit und Energie in unserer Gesellschaft zu tun und mit einer Verbindung zu unserer Arbeit.
Ich bin hier, weil ich es interessant finde, aber ich denke, es kann genauso interessant sein dort, wo immer Sie gerade sind. Grundsätzlich denke ich, dass es eine Frage der eigenen Interessen ist und wie sehr man fähig ist, an seiner Umgebung teilzuhaben und beizusteuern und wie man die Vorteile der Möglichkeiten, die vorhanden sind, nutzen kann.
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