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Kirkenes und die Grenzen

http://en.wikipedia.org/wiki/Kirkenes
Dies ist eine historische Landkarte von Kirkenes aus der Zeit von 1918-1940, als Finnland Zugang zur Ostsee über den “Petsamo-Korridor” erhielt, der ursprünglich Teil des sowjetischen/russischen Pechenga-Gebietes war. Diese Karte lässt mich immer an Afrika denken oder die nördlichen Gegenden Nordamerikas. Der- oder diejenige, die sie auf Wikipedia gestellt hat, denkt wahrscheinlich, dass dieser Teil der Geschichte vernachlässigt wird. Vielleicht hat die Person finnische Vorfahren oder ist mit den Web-Landkarten von Kirkenes unzufrieden; Karten, die nichts neben oder unterhalb von Kirkenes zeigen.

http://en.wikipedia.org/wiki/Sør-Varanger
Kirkenes, Teil der Gemeinde Sør-Varanger (circa 9.500 Einwohner) in der Provinz Finnmark (circa 70.000 Einwohner), ganz im Nordosten Norwegens, nahe der russisch-norwegischen Grenze.

Kirkenes ist ein kleiner Ort, der wahrscheinlich aus demselben Grund “überlebt”, aus dem es norwegisches Bergbau-Gebiet war – seiner geografischen Lage wegen. Eine neue Richtlinie wurde für die nordischen Gebiete von der EU, von Norwegen, Island und Russland unterzeichnet ‑ und Kirkenes hat erneute geopolitische Bedeutung gewonnen. Um der örtlichen Gemeinden willen hoffen wir, dass die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen auch dem Norden zu Gute kommen wird und nicht nur den weit entfernten Großkonzernen. Es ist wichtig, künstlerische Umfelder zu stärken, Diskussionen und diverse Interpretationen dieser Situationen zuzulassen.

Die Geschichte der Grenzgebiete ist interessant. Wenn man etwas über Grenzgeschichte lernen will, sich bemühen und verstehen will, wie unterschiedlich Grenzregierungen das Leben der Menschen in verschiedenen Zeitaltern beeinflusst haben, sollte man sich mit den Lokalgeschichten beschäftigen von Kirkenes in der Provinz Finnmark in Norwegen oder von Pechenga/Kola-Halbinsel in Russland oder von Inari/Lappland in Finnland und der der Skolte Samen in finnischen, russischen und norwegischen Gebieten.

1993 wurde die Barents-Euro-Arktische Region als Zusammenschluss der nördlichsten Teile Finnlands, Schwedens, Norwegens und Nordwest-Russlands offiziell begründet. Dieser Zusammenschluss basiert auf der Idee, die Beziehungen und friedlichen, grenzübergreifenden Kontakte zwischen den Menschen zu stärken, besonders zu Russland nach Ende des Kalten Krieges. Die Kernidee lautet “ Mensch-zu-Mensch-Zusammenarbeit”.

In unserer Arbeit als Kunst- und Kulturproduzenten in der Organisation “Pikene på Broen” (Mädchen auf der Brücke) in Kirkenes liegt unser Augenmerk auf der Erforschung der Baltischen Region über Kunst- und Kulturprojekte. Die Geschichte von Kirkenes und seiner Umgebung war eine Inspirationsquelle. Auf allen Ebenen kommen Grenzüberquerungen vor, mit all den positiven und negativen Seiten, die das beinhaltet. Kirkenes bewacht auch die äußerste Grenze Europas – die “Schengengrenze”. Es wird von Menschen 50 verschiedener Nationalitäten und ethnischer Gruppen bevölkert, von einer wachsenden russischen Gemeinde sowie indigenen Samen-Kulturen.

Wir fördern grenzübergreifende künstlerische Zusammenarbeit sowohl innerhalb der Region als auch international. Dabei arbeiten wir mit verschiedensten Arten von Organisationen und Menschen in unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft und an verschiedenen Orten zusammen. Die Grenzüberquerungserfahrungen, der Multikulturalismus sowie das Lernen von der Kunst und von Kunststrategien sind sehr wertvoll auf lokaler Ebene. Wir haben das Gefühl, das es wichtig ist, zur “Barents”-Idee beizutragen, und daran mitzuwirken, sie durch künstlerische Aktivitäten zu definieren, besonders nun, da die dominanten Fokuspunkte und Bestrebungen der nördlichen Gebiete, die Lieferung von Öl und Gas an die westliche Welt, militärische Verteidigung, exterritoriale Gebiete im Meer oder blühender Tourismus in Lappland zu sein scheinen.

Es war von Anfang an ein wichtiges Ziel von Pikene på Broen auf die Einrichtung einer Barents-Kunstinstitution in Kirkenes hinzuarbeiten. Und es ist immer noch von zentraler Bedeutung, die fragilen Kunstinitiativen zu stärken, die auf regionale und internationale Zusammenarbeit hinarbeiten. Trotz der Barents-Kooperation und der Zusammenarbeit innerhalb des Sàpmi – des großen Gebiets, das von Zentralnorwegen und Schweden über das nordöstlichste Finnland zum östlichsten Ende der Kola-Halbinsel reicht – sind die Kunsteinrichtungen mit einer “nationalen Agenda” verbunden. Grenzübergreifende Zusammenarbeit wird zur letzten Priorität, sofern es überhaupt eine Priorität ist. Innerhalb der örtlichen Samen-Kunstorganisationen und des Museums, liegt der Hauptfokus auf dem “nationalen Samen”. Grenzübergreifende Kunstkooperation ist stark von Enthusiasmus abhängig. Der Informationsfluss über die Grenzen hinweg ist nur schwach ausgeprägt. Es gibt daher ein großes Potential für zwischenstaatliche Kunststrukturen längerfristig im Norden zu wirken, für die Nordischen Länder, die EU und Russland.

 

Die Europäische Union
Die nationale Kulturstätten-Landkarte der EU hat die Ränder beschnitten.

 

Die norwegische Regierung hat die nördlichen Regionen zur wichtigsten Angelegenheit in der Außenpolitik bestimmt.


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